Belgien WM 2026: Das Ende der goldenen Generation?
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Von 2018 bis 2022 führte Belgien die FIFA-Weltrangliste an – länger als jedes andere Team in diesem Zeitraum. Die goldene Generation um Kevin De Bruyne, Romelu Lukaku und Eden Hazard galt als eine der talentiertesten der Welt, vergleichbar mit den besten Teams der Geschichte. Der WM-Dritte 2018, der Spanien und Brasilien besiegte, sollte endlich einen großen Titel holen. Stattdessen kam 2022 das demütigende Gruppenphase-Aus in Katar – ein Schock für die Fußballwelt. Jetzt ist die goldene Generation gealtert, Hazard hat seine Karriere bei Real Madrid enttäuschend beendet, und Belgien muss sich komplett neu erfinden. Die WM 2026 ist ein Turnier des schmerzhaften Umbruchs.
Die Bilanz der goldenen Generation ist bei genauerer Betrachtung ernüchternd: kein einziger Titel. Der WM-Dritte 2018 in Russland war der absolute Höhepunkt, seitdem ging es kontinuierlich bergab. Bei der EM 2020/21 kam das Aus im Viertelfinale gegen Italien, bei der WM 2022 das historische Versagen in der Gruppenphase gegen Marokko und Kroatien. Der immense Druck, endlich einen Titel zu liefern, wurde zur lähmenden Last. Jetzt, wo die Stars altern und zurücktreten, bleibt die bittere Frage: War das wirklich alles? Oder kann eine neue, hungrige Generation den lang ersehnten Durchbruch schaffen?
Kevin De Bruyne ist mit 35 Jahren bei der WM 2026 noch immer der mit Abstand beste Spieler Belgiens – aber er ist nicht mehr auf dem Niveau von 2018, als er England im Halbfinale fast im Alleingang besiegte. Zahlreiche Verletzungen haben ihn geplagt, und die enorme Intensität bei Manchester City unter Guardiola hat körperliche Spuren hinterlassen. Romelu Lukaku kämpft seit Jahren mit seiner wechselhaften Form und der unerbittlichen Kritik der Medien. Die neuen Gesichter – Jérémy Doku, Amadou Onana, Lois Openda – müssen die riesigen Lücken füllen, die die alte Garde hinterlässt.
Trainer Domenico Tedesco, der junge Deutsche mit italienischen Wurzeln, hat die schwierige Aufgabe, aus den Trümmern der goldenen Generation ein neues Team zu formen. Seine taktischen Ideen sind modern und interessant, aber ob sie auf höchstem WM-Niveau funktionieren, muss er erst beweisen. Die Erwartungen sind nach den Enttäuschungen niedriger als je zuvor – was paradoxerweise befreiend wirken könnte.
Der belgische Kader im Umbruch
Der Kader für die WM 2026 ist eine Mischung aus Veteranen der goldenen Generation und jungen Talenten, die sich beweisen müssen. Der Umbruch ist noch nicht abgeschlossen, und die Balance zwischen Erfahrung und Jugend ist schwierig zu finden. Trainer Domenico Tedesco steht vor der Aufgabe, aus diesen Teilen ein funktionierendes Ganzes zu formen.
Im Tor steht Koen Casteels als Nachfolger von Thibaut Courtois, der nach seiner schweren Verletzung 2023 nicht mehr zur alten Form zurückfand. Der Wolfsburg-Keeper ist solide und erfahren, aber nicht auf dem Weltklasse-Niveau seines Vorgängers. Mit 34 Jahren bei der WM kennt er den Druck großer Spiele, aber sein Fehlen von absoluter Weltklasse könnte in engen Spielen ein Problem werden.
Die Abwehr hat sich komplett verändert. Jan Vertonghen ist nach über 150 Länderspielen zurückgetreten, Toby Alderweireld ebenfalls. Die Erfahrung dieser Weltklasse-Verteidiger fehlt schmerzlich. Die neue Generation um Wout Faes (Leicester), Zeno Debast (Sporting Lissabon) und Arthur Theate muss sich auf höchstem Niveau beweisen. Sie haben Talent, aber die Routine fehlt.
Die Außenverteidiger Timothy Castagne und Thomas Meunier bieten Erfahrung, aber ihre besten Jahre sind vorbei. Die Defensive ist Belgiens größte Schwäche – genau dort, wo sie bei der WM 2018 so stark war. Diese Veränderung erklärt den Rückgang in den Quoten.
Das Mittelfeld hat noch Weltklasse-Qualität, zumindest in einer Person. Kevin De Bruyne, wenn fit, ist einer der besten Spielmacher der Welt. Seine Pässe, seine Übersicht und seine Standards sind auf höchstem Niveau. Amadou Onana bringt Physis, Dynamik und Box-to-Box-Qualitäten. Youri Tielemans hat Erfahrung und Spielübersicht von seiner Zeit bei Leicester und Aston Villa. Diese Dreierreihe kann mit jedem mithalten – aber die Abhängigkeit von De Bruyne ist enorm und gefährlich.
Die Offensive hat neue Gesichter, die für Hoffnung sorgen. Jérémy Doku von Manchester City ist einer der aufregendsten Dribbler Europas – unter Guardiola hat er sich zum Weltklasse-Flügelspieler entwickelt. Lois Openda schießt bei RB Leipzig regelmäßig Tore und bringt Geschwindigkeit und Bewegung. Romelu Lukaku bleibt der Zielspieler, aber seine Form ist unberechenbar – mal trifft er alles, mal wirkt er verloren. Die Optionen sind da, aber die Abstimmung und das Zusammenspiel fehlen noch.
Wer führt die Roten Teufel?
Kevin De Bruyne ist der unbestrittene Anführer – technisch, taktisch und emotional. Mit 35 Jahren bei der WM ist er nicht mehr der Spieler von 2018, der England im Halbfinale fast im Alleingang besiegte und Belgien zum dritten Platz führte. Aber seine Erfahrung, seine magischen Pässe und seine Führungsqualitäten sind unverzichtbar. Wenn De Bruyne fit und in Form ist, hat Belgien realistische Chancen auf das Viertelfinale.
Die Verletzungshistorie ist jedoch besorgniserregend. In den letzten Jahren hat De Bruyne mehrere längere Ausfälle wegen Muskelverletzungen gehabt. Bei Manchester City hat Guardiola ihn geschont, wo er konnte. Bei einem Turnier mit bis zu sieben Spielen in vier Wochen ist die Belastung enorm. Kann sein Körper das durchhalten? Diese Frage wird mehr als alles andere über Belgiens Erfolg entscheiden.
Jérémy Doku ist die Zukunft des belgischen Fußballs. Bei Manchester City unter Guardiola hat er sich zum Top-Dribbler entwickelt – seine Eins-gegen-Eins-Statistiken gehören zu den besten in Europa. Seine Geschwindigkeit, seine Technik und sein Mut, den Ball zu fordern, sind beeindruckend. Bei der WM 2026 wird er 24 sein – bereit für die Hauptrolle. Wenn De Bruyne schwächelt oder ausfällt, muss Doku die kreative Last übernehmen.
Romelu Lukaku bleibt ein Rätsel, das Belgien seit Jahren beschäftigt. Der belgische Rekordtorschütze mit über 80 Länderspieltoren hat bei Turnieren oft unter den Erwartungen gespielt, trotz seiner Tore in der Qualifikation. Seine Form bei Vereinen schwankte zwischen Weltklasse (Inter) und enttäuschend (Chelsea, Chelsea-Leihen). Sein erster Ballkontakt ist manchmal grauenhaft, und die ständige Kritik nagt sichtbar an seinem Selbstvertrauen. Aber wenn er trifft und Vertrauen hat, ist er ein Unterschiedsspieler, der jede Defensive unter Druck setzt.
Amadou Onana könnte die Überraschung sein. Der physisch starke Mittelfeldspieler hat sich bei Everton etabliert und bringt Qualitäten, die Belgien lange fehlten: Zweikampfstärke, Dynamik und die Fähigkeit, von Box zu Box zu spielen. Bei der WM 2026 wird er 25 sein – im perfekten Alter, um zu glänzen.
Belgiens Gruppe G
Die Gruppenauslosung brachte Belgien in Gruppe G mit Iran, Ägypten und Neuseeland. Eine machbare Gruppe auf dem Papier, aber mit Tücken, die unterschätzt werden könnten. Iran und Ägypten sind organisierte Teams mit WM-Erfahrung und Spielern aus europäischen Ligen. Neuseeland ist der klare Außenseiter.
Das Auftaktspiel gegen Neuseeland sollte ein klarer Sieg werden. Die Ozeanier sind auf internationalem Top-Niveau limitiert und werden Respekt zeigen. Belgien sollte 3:0 oder höher gewinnen und Selbstvertrauen tanken. Ein guter Auftakt ist psychologisch wichtig nach den Enttäuschungen der letzten Turniere, besonders dem Gruppenphase-Aus 2022.
Das Iran-Spiel ist anspruchsvoller als es aussieht. Die Iraner sind defensiv stark organisiert und haben bei der WM 2022 bewiesen, dass sie Überraschungen liefern können – sie besiegten Wales und verloren nur knapp gegen England und die USA. Ein 2:1 oder 1:0 für Belgien ist realistisch – aber Vorsicht ist geboten, denn eine Überraschung ist möglich.
Gegen Ägypten sollte Belgien die Kontrolle haben. Mohamed Salah, falls er noch dabei ist und fit, ist gefährlich und kann jedes Spiel im Alleingang entscheiden. Aber die Gesamtqualität liegt bei den Europäern. Die ägyptische Defensive ist solide, aber die Offensive neben Salah limitiert. Ein 2:0 oder 2:1 ist wahrscheinlich.
Als Gruppensieger hätte Belgien einen machbaren Achtelfinalgegner. Das Viertelfinale wäre dann das realistische Ziel – und wahrscheinlich das Maximum für diese Mannschaft im Umbruch.
Quoten auf Belgien
Die Buchmacher sehen Belgien bei einer Quote von etwa 25,00 auf den WM-Titel – ein deutlicher Rückgang gegenüber früheren Turnieren, als sie bei 10,00 oder niedriger lagen. Der Markt hat das Altern der goldenen Generation klar eingepreist und zweifelt an der Wettbewerbsfähigkeit des aktuellen Kaders.
Die Quotenentwicklung erzählt die Geschichte des Niedergangs. Bei der WM 2018 war Belgien bei 8,00 gehandelt. Bei der WM 2022 noch bei 12,00. Jetzt 25,00 – der Markt hat das Vertrauen verloren, und die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache.
Die Gruppensieger-Quote liegt bei 1,50 – klarer Favorit in einer machbaren Gruppe. „Belgien erreicht das Achtelfinale“ bei 1,40 ist fast sicher. „Belgien erreicht das Viertelfinale“ bei 2,80 reflektiert die Unsicherheit über die K.O.-Rundenfähigkeit. „Belgien erreicht das Halbfinale“ bei 5,00 ist spekulativ und nur für Optimisten.
Spieler-Wetten sind interessant: „De Bruyne mindestens 2 Assists“ bei 3,50 ist realistisch, wenn er fit bleibt – er ist immer noch einer der besten Passgeber der Welt. „Lukaku mindestens 2 Tore“ bei 2,20 ist wahrscheinlich – er trifft in der Gruppenphase meist zuverlässig. „Doku als Turnier-Überraschung“ ist keine offizielle Wette, aber meine persönliche Empfehlung für aufmerksame Beobachter.
Meine Einschätzung
Belgien ist im Umbruch und nicht mehr das Team, das 2018 die Welt begeisterte. Die goldene Generation ist gealtert oder zurückgetreten, und die neue Generation hat sich auf höchstem Niveau noch nicht bewiesen. De Bruyne kann immer noch einzelne Spiele entscheiden mit einem magischen Pass, aber die Abhängigkeit von ihm ist gefährlich riskant.
Die Stärken sind begrenzt: De Bruyne und Doku in guten Momenten, Lukakus Torriecher, wenn er Selbstvertrauen hat. Die Schwächen sind zahlreich: Die Defensive ist nicht mehr Weltklasse, die Torwartposition ist downgrade, und die Gesamttiefe des Kaders hat nachgelassen.
Der Trainerwechsel zu Domenico Tedesco brachte frischen Wind, aber auch Unsicherheit. Der junge deutsche Trainer hat noch keine Turniererfahrung auf höchstem Niveau. Seine taktischen Ideen sind interessant, aber ob sie gegen Top-Teams funktionieren, ist fraglich.
Meine Prognose: Belgien erreicht das Achtelfinale sicher, ein Viertelfinale wäre bereits ein respektabler Erfolg. Das Halbfinale ist unwahrscheinlich, der Titel noch unwahrscheinlicher. Die Roten Teufel sind im Abstieg von der Weltspitze – und diese WM könnte der endgültige Abschied der goldenen Generation sein, die so viel versprach und so wenig gewann.
Die WM-Teams-Übersicht zeigt, dass Belgien nicht mehr zu den Top-Favoriten gehört. Für österreichische Fans ist das Team dennoch interessant: De Bruyne ist immer sehenswert, Doku ein aufregender Dribbler, und der Umbruch bietet Drama. Ob die neue Generation übernehmen kann oder ob dies das Ende einer Ära ist, wird die WM 2026 zeigen.
