Jordanien WM 2026: Der Außenseiter in Österreichs Gruppe

Jordanische Fußball-Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft 2026

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Das Auftaktspiel. Der erste WM-Moment seit 28 Jahren. Österreichs Rückkehr auf die größte Fußballbühne der Welt beginnt gegen Jordanien im Levi’s Stadium in Santa Clara (San Francisco). Für Österreich ist dieses Spiel ein Pflichtsieg – drei Punkte zum Auftakt sind essenziell für die Hoffnungen auf das Achtelfinale. Für Jordanien ist es die erste WM überhaupt – ein historischer Moment für das kleine Königreich am Jordan, das mit nur 11 Millionen Einwohnern zu den kleinsten Nationen gehört, die je eine WM-Endrunde erreicht haben.

Jordanien hat Geschichte geschrieben: Die erste WM-Teilnahme in der Geschichte des Landes. Der Weg dorthin führte über eine überraschend starke asiatische Qualifikation, in der Jordanien etablierte Teams wie Südkorea und Saudi-Arabien in der entscheidenden Phase hinter sich ließ. Beim Asien-Cup 2024 erreichte Jordanien sensationell das Finale und verlor erst dort gegen Gastgeber Katar mit 1:3 – ein Zeichen, dass dieses Team mehr kann als erwartet. Trainer Hossam Hassan, ein ägyptischer Fußballlegendär mit über 170 Länderspielen als Spieler, hat aus einer Ansammlung von Durchschnittsspielern ein funktionierendes Kollektiv geformt.

Das Spiel Österreich gegen Jordanien findet am 16./17. Juni 2026 statt (06:00 Uhr MESZ in Österreich – eine ungünstige Anstoßzeit für heimische Fans, aber ein früher Frühstücks-Kick). Für Rangnicks Team ist es der Moment, den Ton anzugeben und die Nervosität des ersten WM-Spiels seit 1998 abzuschütteln. Für Jordanien ist jeder Punkt ein Bonus, jede Minute auf dem Platz ein Triumph.

Die Geschichte des jordanischen Fußballs ist eine Geschichte des Scheiterns – bis jetzt. Fünfmal scheiterte Jordanien in der WM-Qualifikation, oft in der entscheidenden Phase, oft durch unglückliche Umstände. 2014 fehlte nur ein Tor zum Playoff gegen Uruguay. 2018 kam das Aus gegen Australien. 2022 scheiterte man in der letzten Runde. Aber 2026 hat alles zusammengepasst: Eine goldene Generation, ein erfahrener Trainer und der Glaube, dass auch kleine Nationen Großes erreichen können.

Der jordanische Kader

Der jordanische Kader besteht hauptsächlich aus Spielern der lokalen jordanischen Liga und der Golfstaaten-Ligen (Saudi-Arabien, VAE, Katar). Einige wenige Profis sind in Europa aktiv, aber auf deutlich niedrigerem Niveau als bei typischen WM-Teilnehmern. Die individuelle Qualität ist klar limitiert im Vergleich zu europäischen oder südamerikanischen Teams, aber das Kollektiv funktioniert und hat beim Asien-Cup 2024 bewiesen, dass es über sich hinauswachsen kann.

Im Tor steht Yazid Abulaila – ein solider Keeper, der beim Asien-Cup 2024 mit starken Leistungen überzeugte und mehrere Elfmeter hielt. Seine Reflexe sind gut, aber gegen die Schussqualität europäischer Stürmer wird er getestet werden. Hinter ihm steht Ahmad Saffarin als erfahrener Backup bereit. Die Torhüterposition ist ordentlich besetzt, aber nicht auf dem Niveau, das gegen Top-Nationen erforderlich wäre.

Die Defensive ist das Herzstück des Teams – organisiert, diszipliniert und schwer zu knacken, auch wenn die individuellen Fähigkeiten begrenzt sind. Jordanien hat unter Trainer Hossam Hassan gelernt, tief zu verteidigen und auf Konter zu lauern. Die Viererkette agiert kompakt und lässt wenig Raum zwischen den Linien. Was an Tempo und Athletik fehlt, wird durch taktische Disziplin und gute Abstimmung kompensiert.

Das Mittelfeld arbeitet hart und läuft viel – typisch für Teams, die technische Defizite durch enormen Einsatz, Laufbereitschaft und taktische Disziplin ausgleichen müssen. Die Spieler sind gut eingespielt und kennen ihre Rollen genau. Mousa Suleiman ist der erfahrene Stratege, der das Spiel aus der Tiefe lenkt. Neben ihm sorgt Ehsan Haddad für die nötige Zweikampfstärke. Was ihnen an individuellem Können fehlt, machen sie durch Teamgeist und Mentalität wett.

Die Offensive hat wenige herausragende Einzelspieler, die Spiele im Alleingang entscheiden können. Der gefährlichste Spieler ist Musa Al-Tamari, der in Europa (unter anderem bei Montpellier in der Ligue 1 Frankreich) gespielt hat und die einzige echte internationale Erfahrung mitbringt. Seine Schnelligkeit auf dem Flügel und sein Dribbling können auch für bessere Defensiven gefährlich werden. Yazan Al-Naimat ist ein weiterer Name, auf den man achten sollte – der Stürmer hat in der asiatischen Qualifikation wichtige Tore geschossen und seinen Torriecher bewiesen.

Die Kaderbreite ist begrenzt. Während Nationen wie Österreich auf jeder Position zwei oder drei Alternativen haben, muss Jordanien mit einem schmalen Aufgebot auskommen. Verletzungen von Schlüsselspielern wären kaum zu kompensieren. Diese Realität wird bei einem Turnier mit drei Spielen in neun Tagen zum Problem werden.

Die wichtigsten Spieler

Musa Al-Tamari ist Jordaniens mit Abstand wichtigster und international bekanntester Spieler. Der 27-jährige Flügelspieler hat in Belgien (OH Leuven), Zypern und Frankreich (Montpellier) gespielt und bringt die einzige echte europäische Top-Liga-Erfahrung im Kader mit. Seine explosive Schnelligkeit, sein direktes Dribbling und seine Fähigkeit, Eins-gegen-Eins-Situationen zu gewinnen, können auch für bessere Defensiven gefährlich werden. Österreichs Außenverteidiger müssen ihn im Griff behalten. Beim Asien-Cup 2024 war er der überragende Spieler Jordaniens mit drei Toren und zwei Assists.

Was Al-Tamari auszeichnet, ist seine Unberechenbarkeit. Er kann auf beiden Flügeln spielen, zieht gerne nach innen und sucht den Abschluss. Seine Schusstechnik ist ordentlich, seine Flanken präzise. In einem Team mit limitierten Offensivoptionen ist er der einzige, der individuelle Momente schaffen kann. Für Jordanien ist er so wichtig wie Messi für Argentinien – natürlich auf einem völlig anderen Niveau, aber in seiner Bedeutung für das Spiel vergleichbar.

Yazan Al-Naimat ist der Torjäger des Teams und hat in den Golfstaaten-Ligen konstant getroffen. In der WM-Qualifikation war er einer der wichtigsten Spieler und bewies seinen Torriecher in entscheidenden Momenten. Ob das gegen eine organisierte europäische Defensive wie die österreichische unter Rangnick reicht, ist fraglich – aber unterschätzen sollte man seinen Instinkt im Strafraum nicht. Er ist groß, kopfballstark und hat den Killerinstinkt, der Stürmer auszeichnet.

Kapitän und Verteidiger Anas Bani-Yaseen führt das Team als erfahrener Anführer mit über 80 Länderspielen. Seine Präsenz in der Defensive und seine Führungsqualitäten sind wichtig für ein Team, das von Disziplin und Zusammenhalt lebt. Er organisiert die Abwehr, kommuniziert lautstark und geht in jeden Zweikampf mit voller Überzeugung. Für junge Spieler ist er das Vorbild.

Der Kader insgesamt ist bemerkenswert homogen – keine großen Stars oder Divas, aber ein perfekt funktionierendes Kollektiv, in dem jeder seine Rolle kennt und erfüllt. Diese Stärke der Einheit hat Jordanien sensationell zum Asien-Cup-Finale 2024 geführt. Bei der WM gegen stärkere Gegner mit mehr individueller Klasse wird es deutlich schwieriger, aber der Teamgeist ist eine Waffe, die nicht unterschätzt werden darf.

Trainer Hossam Hassan verdient besondere Erwähnung. Der Ägypter war als Spieler eine Legende – 176 Länderspiele, Torschützenkönig mehrerer Afrikameisterschaften, Champions-League-Sieger mit Al-Ahly. Als Trainer hat er Jordanien eine Identität gegeben: defensiv kompakt, mental stark, niemals aufgeben. Seine Erfahrung auf höchstem Niveau hilft einem Team, das zum ersten Mal auf der größten Bühne steht.

Das Auftaktspiel gegen Österreich

Das Spiel Österreich gegen Jordanien ist aus österreichischer Sicht ein Pflichtsieg. Die Qualitätsdifferenz ist deutlich – Österreich hat Spieler bei Dortmund, Bayern München, RB Leipzig und anderen Bundesliga-Klubs, die wöchentlich auf höchstem europäischem Niveau spielen. Jordanien hat größtenteils Spieler aus der lokalen Liga und den Golfstaaten-Ligen. Alles andere als ein klarer Sieg wäre eine massive Enttäuschung und würde den weiteren Turnierverlauf belasten.

Das Levi’s Stadium in Santa Clara bietet 68.500 Plätze und wird an diesem Abend (Ortszeit 21:00 Uhr am 16. Juni) ein gemischtes Publikum sehen. Die jordanische Diaspora in den USA ist klein, aber die arabische Community wird Jordanien unterstützen. Österreichische Fans werden den weiten Weg auf sich genommen haben. Die Atmosphäre wird speziell sein – zwei Teams bei historischen Momenten.

Jordaniens Stärken: Disziplin, Kampfgeist, nichts zu verlieren. Teams ohne Druck können befreit aufspielen und Gegner überraschen. Die Defensive wird tief stehen und versuchen, Räume zu verdichten. Konter über Al-Tamari auf dem Flügel könnten gefährlich werden. Standardsituationen sind eine weitere Waffe – Jordanien hat beim Asien-Cup mehrere Tore nach ruhenden Bällen erzielt.

Jordaniens Schwächen: Individuelle Qualität auf fast allen Positionen deutlich unter europäischem Niveau. Gegen Österreichs aggressives Pressing unter Rangnick werden sie massive Probleme haben, den Ball zu halten und geordnet aufzubauen. Die technischen Limitierungen werden unter Druck offensichtlich. Standards gegen sie könnten ein Problem werden – die Größe und Physis im Kader ist begrenzt.

Aus österreichischer Sicht: Das Spiel muss von Beginn an kontrolliert werden. Geduld ist wichtig – Jordanien wird tief stehen, den Strafraum verbarrikadieren und auf Fehler warten. Eine frühe Führung ist der Schlüssel, um das Spiel zu öffnen und Jordanien aus der Komfortzone zu locken. Rangnick wird ein intensives Pressing von der ersten Minute fordern, das Jordaniens limitierte technische Fähigkeiten aufdecken sollte.

Die Gefahr liegt in der Unterschätzung. Wenn Österreich nicht von Anfang an fokussiert ist, wenn die Nervosität des ersten WM-Spiels seit 28 Jahren überhand nimmt, könnte es eng werden. Ein frühes Gegentor durch einen Konter oder Standard wäre ein Schock. Die Geschichte des Fußballs ist voll von Beispielen, in denen Favoriten gegen vermeintlich schwache Gegner gestrauchelt sind. Saudi-Arabiens Sieg gegen Argentinien bei der WM 2022 ist das prominenteste Beispiel aus jüngster Vergangenheit.

Quoten auf Jordanien

Die Buchmacher sehen Jordanien bei einer Quote von etwa 500,00 auf den WM-Titel – der klarste Außenseiter in Gruppe J und eines der Teams mit den geringsten Chancen im gesamten Turnier. Diese Quote entspricht einer impliziten Wahrscheinlichkeit von 0,2 Prozent – praktisch null. „Jordanien erreicht das Achtelfinale“ bei 15,00 zeigt, dass selbst das Weiterkommen als extrem unwahrscheinlich gilt.

Für das Spiel Österreich gegen Jordanien: Österreich ist klarer Favorit mit einer Quote von etwa 1,30, das Unentschieden liegt bei 5,50, ein Jordanien-Sieg bei 10,00. Die Quoten reflektieren die Realität der Kräfteverhältnisse – Österreich sollte dieses Spiel gewinnen, und zwar deutlich.

Spieler-Wetten bieten interessante Optionen für verschiedene Szenarien. „Österreich gewinnt zu Null“ bei 1,90 ist attraktiv für diejenigen, die an Rangnicks defensive Organisation glauben. „Über 2,5 Tore im Spiel“ bei 1,70 ist realistisch, wenn Österreich früh führt und Jordanien öffnen muss. „Al-Tamari trifft“ bei 6,00 für diejenigen, die an eine jordanische Überraschung glauben wollen.

Die Handicap-Märkte zeigen das erwartete Ausmaß. „Österreich -2“ bei 2,10 bedeutet, dass ein Sieg mit drei oder mehr Toren Unterschied erwartet wird. „Österreich -3“ bei 3,50 ist spekulativer, aber bei einem guten Tag durchaus möglich. Diese Quoten sind interessant für Spieler, die an einen dominanten österreichischen Auftritt glauben.

Meine Einschätzung

Jordanien ist der klar schwächste Gegner in Gruppe J – und genau deshalb darf Österreich dieses Spiel nicht unterschätzen. Teams ohne Druck können gefährlich sein, besonders wenn sie nichts zu verlieren haben und befreit aufspielen. Ein früher Rückstand wäre katastrophal für die Nerven und den weiteren Turnierverlauf. Die Erinnerung an Saudi-Arabiens Sieg gegen Argentinien sollte Warnung genug sein.

Für Österreich gilt: Konzentration von der ersten Minute bis zum Schlusspfiff. Das Spiel muss früh entschieden werden, um Kräfte für die schwierigeren Spiele gegen Argentinien und Algerien zu sparen. Ein 3:0 oder 4:0 sollte das Ziel sein – nicht aus Arroganz, sondern aus strategischer Notwendigkeit. Je höher der Sieg, desto besser die Torverhältnis-Position für mögliche Entscheidungen am Ende der Gruppenphase.

Meine Prognose: Österreich gewinnt 3:0 oder 3:1. Jordanien wird kämpfen, wird alles geben und vielleicht für 60 oder 70 Minuten gut dagegenhalten. Aber die Qualitätsdifferenz ist zu groß, um über 90 Minuten standzuhalten. Irgendwann werden die Tore fallen. Für Österreich ist es der perfekte Einstieg in ein historisches Turnier – ein souveräner Sieg zum Auftakt, der Selbstvertrauen gibt für die größeren Herausforderungen. Für mehr zur österreichischen Perspektive siehe die Österreich WM 2026 Seite.

Für Jordanien ist die WM-Teilnahme bereits der größte Erfolg der Fußballgeschichte des Landes. Jeder Punkt wäre ein Bonus, jedes Tor ein Grund zum Feiern. Das Team wird kämpfen und alles geben – aber die Realität ist, dass drei Niederlagen wahrscheinlich sind. Gegen Argentinien und Algerien warten noch härtere Gegner als Österreich. Trotzdem: Respekt für den Weg hierher, Respekt für ein Land, das zum ersten Mal auf der größten Bühne steht.

Die WM 2026 wird für Jordanien eine Lernerfahrung sein. Die jungen Spieler werden sehen, wie Weltklasse-Fußball aussieht. Die Infrastruktur des jordanischen Fußballs wird von der Aufmerksamkeit profitieren. Und vielleicht, in zehn oder fünfzehn Jahren, wird ein Spieler erzählen, wie er als Kind die WM 2026 im Fernsehen sah und beschloss, Fußballprofi zu werden. Das ist der wahre Wert dieser Teilnahme – nicht die Ergebnisse, sondern die Inspiration für künftige Generationen.